7. Rheinisches Infanterie-Regiment Nr. 69
Geschichte des Regiments aus Trier seit der Gründung 1860 

Offiziersgeschenke

Im 19. Jahrhundert wurden Geschenke an ausscheidende Offiziere, zu Geburtstagen innerhalb des Offizierskorps und Jubiläen nicht nur Tradition sondern auch gesellschaftliche Verpflichtung. Oftmals wurden beliebten Offizieren aufwändig gefertigte und kostspielige Präsente überreicht. Art und Gestaltung waren sehr vielfältig. So wurden zum Beispiel Statuetten, Büsten, Standbilder, Pokale, Becher, Karaffen, Tabletts, Blankwaffen und Etuis verschenkt. Auch im Infanterie-Regiment Nr, 69 war dieses Usus. Die Stücke spiegeln oftmals den jeweiligen Zeitgeschmack wieder. Einige Beispiele möchte ich Ihnen hier vorstellen.


Die beliebteste Statuette im Regiment war die Hadeln-Statuette. In der Schlacht von Gravelotte am 18.8.1870 trug Major Carl W. Freiherr. von Hadeln, obgleich schon verwundet, die Fahne des Infanterie-Regiments Nr. 69 in seiner Rechten hat er von Oberst Beyer von Karger übernommen, die dieser, durch einen Granatsplitter verletzt, abgeben musste. Wenige Augenblicke später wird er selbst durch einen Schuss ins Herz getroffen und stirbt mit Fahne in der Hand den Heldentod. Die Bronze, wurde bis in die 1930er Jahre von der Firma Gladenbeck, Berlin gegossen und hatte eine Höhe von 55 cm. Sie stand auf einem dunklem Marmorsockel und hatte somit eine Gesamthöhe von ca. 71 cm. Darauf das Widmungsschild.

Als Beispiel: "Dem scheidenden Kameraden Herrn Oberleutnant Knorr - Das Offiziercorps des 7. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 69, 18.8.1898 - 30.9.1913".



Silberbecher

Offiziersgeschenk eines großen konischen Silberbechers mit einem mehrfach profilierten Stand den Oberst Böttcher bei seinem Ausscheiden aus dem Regiment von seinen Offizieren erhalten hatte. Die Vorderseite ist mit einer aufgelöteten bekrönten Regiments-Chiffre "I. R. 69" versehen. Auf der Rückseite des Bechers befindet sich die in sechs Zeilen eingravierte Dedikation incl. Orts- und Vergabedatum:

"Dem Herrn Oberst Boettcher das Offizier-Corps des 7. Rhein. Inf. Reg. No. 69. Trier, den 18. 6. 1895".

Hersteller: I. Ludwig, Halbmond, Krone, 800, H: 15 cm, G: 215 g
Bemerkung: 1866 war Böttcher schon im Dt.-Österr. Krieg dabei. Oberst Alexander Böttcher war vom 14.5.1894 bis zum 18.6. 1895 Regimentskommandeur des 7. Rhein. Inf.-Regts. Nr. 69. Ihm wurden bei seinem Ausscheiden die Pension und die Regimentsuniform der Abschied bewilligt.  Im 1. Weltkrieg war er wiederverwendeter inaktiver Offizier und Kommandant des Gefangenenlagers Wetzlar.
Er starb  am 17.6.1917 in Wetzlar als Generalmajor z.D.

Quelle: Mit freundlicher Unterstützung von Dietmar Raksch, Neumünster.



 

Infanterist


Offiziersgeschenk in Form einer Bronze-Galvano-Statuette aus dem 7.Rheinischen Infanterie-Regiment Nr. 69. Der feldmarschmäßig ausgerüstete Infanterist, mit einem angefassten Gewehr, Tornister und Pickelhaube steht auf einer quadratischen Plinthe, die wiederum auf einem mehrfach profilierten und abgesetzten Sockel befestigt ist. Auf der Plinthe ist eine Gießerei-Marke der Firma Bellair&Co vorhanden. Dieser aus rotgemaserten Marmor und schwarzem Kunststein bestehende Sockel hat auf der Vorderseite eine silberne Plakette mit folgender Dedikation:

"Dem scheidenden Kameraden Major Dahlke - das Offiziercorps des 7.Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 69".    

Bemerkung: Gegeben wurde dieses Offiziersgeschenk 1892 an den aus dem Regiment scheidenden Major Dahlke, der mit Pension zur Disposition gestellt und zum Commandeur des Landwehrbezirks Neuß ernannt wurde. Seine Ordensschnalle bestand zu dieser Zeit aus vier Dekorationen mit EK II 1870, RAO 4. Klasse, DAZ 25 Jahre, Baden, Verdienstorden vom Zähringer Löwen, Ritterkreuz 1.Klasse. Bei diesem Offiziersgeschenk kann von einem typischen Geschenk der preußischen Infanterie gesprochen werden, denn es war in der Zeit von etwa 1880 bis 1910 sehr beliebt. Lediglich der Sockel variierte dabei. So sind solche Geschenke mit Holz, Marmor oder wie oben beschrieben bekannt. 

Quelle: Mit freundlicher Unterstützung von Dietmar Raksch, Neumünster.



Weinkühler

Der kunstvoll in Jugendstil gearbeitete Weinkühler trägt die Gravur:

Herrn Zahlmeister Dostert in dankbarer Erinnerung an treue Unterstützung seines Kommandeurs Oberstleutnant Wobring, 1.X.12 – Trier – 25.IV.14.

Er ist 23 cm hoch und hat einen Durchmesser von ebenfalls 23 cm. Darunter befindet sich eine Künstlermarke. Ich nehme an, der Kühler hatte ursprünglich noch eine Versilberung.

Der Schenkende Max Erdmann Wobring wurde am 30.05.1868 in Fürstenwalde, Kreis Lebus geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann und Inhaber der Firma „Wilhelm Wobring“, Carl Wilhelm Hermann Wobring und seine Ehefrau Adelheid Eveline Grasnick. Max wurde am 05.07.1868 evangelisch getauft.
1903 diente er als Hauptmann im großen Generalstab der Armee.
1904 diente Wobring als Hauptmann in der 8. Kompanie des Grenadier-Regiment Graf Kleist von Nollendorf (1. Westpreußisches) Nr. 6.
1906 wurde er in der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika angestellt. Er diente als Hauptmann im Generalstabe des Etappenkommandos Süd.
Als Kommandeur der Südetappe spielte er eine Zentrale Rolle bei der Niederwerfung des Herero-Aufstandes. Wobring unterstanden die Truppen in den Karrasbergen.
1907 erhielt er den Roten Adler Orden 4. Klasse mit Schwertern.
1908 wurde er zum Major befördert.
Laut A.K.O. vom 17.05.1910 scheidete er aus der Schutztruppe aus und wurde als Major und Bataillonskommandeur des III. Bataillons des 7. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 69 angestellt.
1911 wurde ihm die Krone zum Roten Adler Orden 4. Klasse mit Schwertern verliehen. Außerdem erhielt er den bayrischen Militärverdienstorden 4. Klasse mit Schwertern und das Dienstauszeichnungskreuz.

Ab 1912 diente der Zahlmeister Dostert im III. Bataillon des Regiments unter Wobring. Der Zahlmeister trug das Allgemeine Ehrenzeichen.1. Klasse und die DA 1. Klasse. Die Zusammenarbeit scheint sehr gut gewesen zu sein, denn als sich ihre Wege 1914 trennten, erhielt der Zahlmeister von Wobring den Weinkühler aus Messing. Über den Werdegang Dosterts ist mir leider wenig bekannt.

1913 erhielt Wobring des weiteren den Chilenischen Verdienstorden 3. Klasse und den Bayrischen MVO.
Am 26.08.1914 erschien er als Oberstleutnant und Kommandeur des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 9 im Aufmarschplan zu der Schlacht von Tannenberg.
In der Verlustliste vom 30.12.1916 wurde Max Wobring als leicht verwundet gemeldet.
Am 30.10.1918 war der mittlerweile zum Oberst beförderte, Kommandeur der 95. Reserve-Infanterie-Brigade.
Vom 10. Januar bis 10. Oktober 1919 war er Kommandeur des Colbergsches-Grenadier-Regiment Graf Gneisenau (2. Pommersches) Nr. 9.