7. Rheinisches Infanterie-Regiment Nr. 69
Geschichte des Regiments aus Trier seit der Gründung 1860 

 

Verschwundenes Gedenken


 

Denkmale und Gedenksteine die nach dem ersten Weltkrieg zu ehren der Gefallenen aufgestellt wurden, gerieten nach dem zweiten Weltkrieg in Vergessenheit oder verschwanden ganz. So erging es auch dem 69er Gedenkstein in Hameln an der Weser, von dem auch nicht mehr das Stadtarchiv Kenntnis hatte. Seine Geschichte habe ich recherchiert und will sie hiermit wieder in Erinnerung rufen.

Der Artikel erschien in der Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V. Nr. 469 und der Tageszeitung DEWEZET vom 20.01.2018.



Verschwundenes Gedenken in Hameln

Die Tradition und Regimentstage des 7. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 69.

Am 24.08.1921 übernahm in Hameln die 9. Kompanie des 18. Infanterie-Regiments der Reichswehr die Tradition des 1919 aufgelösten 7. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 69 aus Trier.   

Durch die Besetzung des Rheinlandes waren in der ehemaligen Garnison des Infanterie-Regiments Nr. 69 sämtliche Aktivitäten von Kriegervereinen verboten. Dieses zwang die Angehörigen des Reichsbundes ehemaliger 69er dazu, in unbesetzte Gebiete auszuweichen.  

Nach der Übernahme der Tradition durch die 9. Kompanie des 18. Infanterie-Regiments der Reichswehr fand in Hameln 1924 der 4. Regimentstag, 1925 der 5. Regimentstag und 1929 ein weiterer Regimentstag mit Einweihung des Gedenksteins für die Gefallenen des 7. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 69 statt.  

Der Wunsch, die Gefallenen des Regiments 69 durch ein Denkmal zu ehren, bestand schon kurz nach dem ersten Weltkrieg. Da dies in Trier vorerst nicht möglich war, wurde die Planung immer wieder verschoben.  

Die politische Lage war 1927 weiter unklar und da der Abzug der französischen Besatzung in weiter Ferne schien, suchte der Reichsbund nach einer Alternative. Der erste offizielle Vorschlag hierfür von Dr. Hans Eichelbaum, Ltn. a. D., 6./69. erschien in der Regimentszeitung (21/1928) des Rheinischen Regiments Nr. 69 am 01.01.1928:  

„Für die Errichtung eines 69er Steines

Der vorstehende Artikel (Besetzung von Trier, Anm. d. Verf.) weist zweimal mit Recht darauf hin, dass in Trier erst dann ein Garnisondenkmal errichtet werden kann, wenn die Trikolore nicht mehr über unserer alten Garnison weht! Darum geht mein Aufruf dahin: Lasst uns 69er für unsere Gefallenen schon jetzt einen ganz einfachen und schlichten Gedenkstein setzen! Und zwar soll er dort errichtet werden, wo die Tradition unseres alten ruhmreichen Regiments gewahrt wird.  

Auf dem Kasernenhof in Hameln, dort wo unsere Traditionskompagnie, die 9. Kompagnie IR 18 untergebracht ist, kann ein Stein aufgestellt werden, der ohne jeden Pomp und Prunk an alle die erinnert, die im 7. Rheinischen Regiment ihr Leben für Deutschlands Bestand ließen.  

Da ich auf zustimmende oder abschlagende Zuschriften auf diesen meinen Vorschlag nach den in vielen Jahren gemachten Erfahrungen doch nicht rechne, erhebe ich ihn schon jetzt zum Antrag für den nächsten Regimentstag und unterbreite ihn hiermit dem Bundesvorstand zur wohlwollenden Erwägung und Vorbereitung.“  

Mit der Planung für einen Gedenkstein wurde unverzüglich begonnen.  Der Entwurf stammte von dem Hamelner Stadtbaurat, Diplom-Architekt Albert Schäfer. Der schlichte Stein, den nur wenige Emblem zierten, trug die Inschrift: Seinen Toten das 7. Rhein. Inf.-Rgt. 69, Trier. Die Ausführung übernahm der Bildhauer H. Scheder.  

Nachdem der Entwurf, die Finanzierung und Ausführung gesichert waren, war eine Einweihung für den Regimentstag 1929 in Hameln vorgesehen.  

In der Regimentszeitung (Nr. 26/1929) erfolgte der Aufruf mit Festprogramm am 1. April 1929.  

„Regimentstag 1929 in Hameln

Einweihung des Gedenksteins für unsere Gefallenen bei unserer Traditions-Kompagnie 9. Inf. Regt. 18

Samstag, 17. August:

o  13.00 Uhr: Empfang der Gäste am Bahnhof. – Marsch zur Kaserne mit Musik. – Verteilung auf die Unterkunftsräume. – Mittagessen aus der Feldküche. – Besichtigung des Kasernements.  

o  Ab 16.30 Uhr: Sportfest auf dem Kasernenhof.  

o  Ab 19.30 Uhr Fest der 9. Kompagnie mit Ball.  

Sonntag 18. August:

o  9.30 Uhr: Sitzung des Gesamtvorstandes des Bundes ehem. 69er.  

o  11.00 Uhr: Gottesdienst und Übergabe des Gedenksteins für die Gefallenen des 7. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 69.  

o  13.00 Uhr: Mittagessen aus der Feldküche.  

o  14.00 Uhr: Sitzung des Bundes ehem. 69er bzw. Besichtigung der Stadt.  

o  15.30 Uhr: Kaffeesitzung in der „Weserlust“.  

o  17.55 Uhr: Abfahrt in die Heimat.  

o  Ab 19.00 Uhr sind die Kameraden, welche erst am Montag wieder abfahren wollen, im Kasino des Bataillons zu Gaste gebeten.  

Spendet für den Gedenkstein!

Nun ist es so weit! Am 18. August soll der Gedenkstein für die Toten des Regiments geweiht werden. Wir Soldaten vom alten 7. Rheinischen Regiment können noch immer nicht in unsere Garnison, denn Trier, das ehrwürdige Castra treverorum ist noch immer vom Feinde besetzt. Um nun aber, da mehr als zehn Jahre nach dem Kriege vergangen sind, unseren toten Helden ein sichtbares Ehrenmal zu schaffen, war vor ungefähr Jahresfrist in unserer Zeitung der Gedanke angeregt worden, in Erinnerung an die, die mit uns waren im großen Weltgeschehen von 1914 bis 1918 und zur Nacheiferung für die, die nach uns kamen und die Tradition unseres Regimentes in der neuen kleinen Armee hochhalten sollen, auf dem Kasernement unserer Traditionskompagnie, der 9. Kompagnie des preußischen Infanterie-Regiments Nr. 18 zu Hameln einen Gedenkstein zu errichten. Diesen Gedanken hatte sich die Kompagnie dankenswerter Weise sofort zu eigen gemacht.  

Plan und Zeichnung für diesen Stein – liegen vor und nur noch wenige Monate trennen uns 69er von dem Tage, da wir nach Hameln reisen wollen, um Zeugnis für die abzulegen, die unseres Geistes und unseres Blutes waren. Um den Stein gemäß dem Beschlusse des Vorstandes errichten zu können, sei hiermit an die Spende erinnert, die jeder 69er freiwillig seinen toten Kameraden bringen will, dem sei schon im Voraus herzlich gedankt.  

Von den Offizieren wird erwartet, dass sich jeder mit einem Mindestbeitrag von drei Mark beteiligt. Weil der Stein zur Ehre des Regiments und seiner toten Helden errichtet werden soll, muss jeder Einzelne nach seinem Vermögen beisteuern. Darum ist auch der kleinste Beitrag, wenn er mit freudigem Herzen und treuen Bekennermut gestiftet wird, herzlich willkommen. Sollten sich aus dieser Sammlung Überschüsse ergeben, so sollen sie dem Denkmalsfond für das Denkmal in Trier zugewiesen werden.  

Die Ortsgruppen werden gebeten, Ihre Spende geschlossen abzuführen. Kameraden, die keinen Ortsgruppen angehören, wollen ihre Beiträge unmittelbar an unseren Schatzmeister in Düsseldorf unter der Anschr. „Gedenkstein Hameln“ einsenden. Jeder denke daran, dass er durch die Spende zur Erinnerung an unsere Helden sein altes Regiment und damit auch sich selber ehrt!  

                     Und nun 69er, haltet Euch den 17. Und 18. August frei und kommt nach Hameln. Fünfzehn Jahre sind dann seit jenen Tagen vergangen, da das 7. Rheinische Regiment aus Trier ausrückte, um zu beweisen, was es im Dienste und zum Schutze des Vaterlandes in strenger Friedensausbildung gelernt hatte. Es hat die Schicksalswende treu bestanden und deshalb wollen wir in uns in stolzer Erinnerung im August in Hameln versammeln alle, die wir die Nr. 69 in Ehren tragen.“  

Da die Traditionskompagnie zu dem geplanten Zeitpunkt in ihrer Garnison abwesend war, musste der Regimentstag verschoben werden. Als neuer Termin wurde der 31. August bis 01. September 1929 festgelegt, an dem der Regimentstag auch stattfand.  

Ein Bericht darüber erfolgte In der Regimentszeitung 28/1929:  

„Die 69er weihten ihren Gefallenen in Hameln einen Gedenkstein

Der Regimentstag bei der Traditionskompagnie

Wieder war ein Jahr vergangen, und wieder wollten die alten Kameraden des 7. Rheinischen Infanterieregiments, Kameraden aus Friedens- und Kriegsjahren zusammenkommen, um erneut die Treu zum alten Regiment zu beweisen. Denn Regimentstag heißt Bekenntnistag, er fordert Anhänglichkeit und Liebe und fordert Ehrlichkeit, Offenheit und Wahrheit zu dem, was einst dazu mit beitrug, uns groß und mächtig zu machen – und das heute nicht mehr ist! Deshalb ist für jeden Überzeugungstreuen gerade in der Jetztzeit ein Regimentstag ein Ereignis von eigener Weihe.  

Für uns 69er aber sollte in diesem Jahre noch etwas ganz besonderes den Regimentstag zu einem hohen Feiertag gestalten, die Tiefe innerer Verbundenheit nämlich mit den gefallenen Helden des Regiments, deren wir in unserer alten Garnisonstadt Trier, die noch immer von den Feinden besetzt ist, noch nicht gedenken konnten und denen daher auf dem Kasernenhofe der Traditionskompagnie ein einfacher, schlichter Gedenkstein – ein Gedenkstein, in dem sich wieder Liebe und Treue verkörpern müssen – gesetzt werden sollte. Daher hatte sich eine große Schar 69er, vor allem aus dem Rheinland in Hameln zusammengefunden, - in der allerdings diejenigen immer wieder auffallen, die es sich nicht nehmen lassen, trotz großer Entfernungen, trotz großer Geldausgaben und trotz mancherlei anderer Abhaltungen zum Ehrentag des alten Regiments zu kommen.  

Herrliche Sommertage waren uns beschieden, als wir uns im schönen Weserlande versammelten und alles traf zusammen, was nötig war, um den Regimentstag bei allen Beteiligten als einen Gedenktag in schönster Erinnerung zu behalten. Lustige und heitere Erinnerungen an schwere aber große Kriegszeit, - die stark und fest in dem Gedächtnis jeden deutschen Mannes haften wird, ist sie doch trotz aller Verhetzung das große Erlebnis des Mannes gewesen, - wurden ausgetauscht und immer wieder erklang die Frage: „Weißt du noch?“ Und wenn man auch heute in verschiedenen politischen Lagern steht und den verschiedensten weltanschaulichen Ideen huldigt,  (…) ist ja das Schöne und das Erhebende, was man vom Regimentstag mit nach Hause nehmen kann, das Begreifen, dass es auch heute noch Tage und Stunden gibt, wo man die Widerstandenen Gegensätzlichkeiten vergessen kann, um eins zu sein in der alten Kameradschaft, die sich am engsten band, um die Zahl, die man auf der Schulter trug, für uns also die 69 und die im größeren Sinne zusammenhielt und auch heute noch trotz vieler widerstrebender Momente zusammenhält all diejenigen, die einst unserer unvergesslichen Armee angehört haben.  

So gebührt beim Rückschauen in erster Linie Dank für das Gelingen unseres diesjährigen Regimentstages und damit zur würdigen Ausstattung unserer Totenfeier, alle den Kameraden, die nach Hameln gekommen waren, besonders aber denen, die unter Führung des Bundesvorsitzenden, unseres allverehrten Führers in der Kriegszeit sich für die Errichtung des Gedenksteins eingesetzt hatten, Dank der Traditionskompagnie und all ihren Helfern in der Stadt Hameln, die dafür gesorgt hatten, dass die Tage einen würdigen Rahmen fanden. Für all die 69er aber, die es nicht einrichten konnten, bei uns zu sein, sei sie eine Mahnung für das nächste Jahr, sich frei zu halten, für den Tag, da das 7. Rheinische Regiment wieder in Trier einrücken kann, wenn unsere alte liebe Garnison vom Feinde geräumt sein wird, so wie wir es wenigstens heute noch hoffen dürfen.  

Schon am Freitag, 30. August hatten sich einige Herren des Vorstandes, so der Bundesvorsitzende, der Schatzmeister und der Schriftleiter der Regimentszeitung in Hameln eingefunden, um die letzten Vorbereitungen im engsten Kreis zu besprechen. Am Sonnabend, morgens um 6 Uhr zog unsere Traditionskompagnie, die 9. Kompagnie I.R. 18 auf den Schießstand hinaus, um die besten Schützen der Kompagnie zu ermitteln, die abends auf dem Kompagnieball durch eine Preisverteilung geehrt werden sollten. Nachdem einige Ehrenpreise, die vom Reichsbund ehemaliger 69er, vom Offiziersbund ehemaliger 69er und vom Bundesvorsitzenden gestiftet wurden, besorgt waren, kehrte die Kompagnie unter klingendem Spiel vom Schießplatz in die Kaserne zurück.  

   Die schon anwesenden 69er konnten nunmehr bereits das Kompagnierevier besichtigen und Erinnerungen austauschen an die Zeit, da auch sie zum Stubenapell angetreten waren, allerdings in den Kasernen, in denen heute noch der Franzose haust. So ließen sich unter anderem zwei Eisenbahner aus der Trierer Gegend führen, - die mit einer Anzahl anderer Kameraden in der Kaserne Quartier gefunden hatten, - die kurz nach Beendigung ihres Dienstes am Tage vorher sich auf die Bahn gesetzt hatten, die ganze Nacht durchgefahren waren und nun doch munter und frisch im Gedenken an ihre Soldatenzeit durch die Kasernenräume schlenderten. Nach und nach trafen immer mehr 69er in der stillen Weserstadt ein, und als um 12.30 Uhr die Kompagnie nach dem Bahnhof abrückte, um die Fahnen ihres rheinischen Traditionsregiments einzuholen, da war schon eine ganze Schar 69er versammelt, die sich vor der Bahnhofshalle aufstellten, um dem schönen, alten militärischen Schauspiel beizuwohnen. Der D-Zug aus dem Rheinland brachte den Haupttrupp unserer Kameraden, besonders aus Bonn, Düsseldorf und Köln. Sie hatten nicht nur ihre Vereinsfahnen mitgebracht, - nein den Kölnern waren auch die vier Regimentsfahnen, die sich in einem Museum in Köln befinden, zu treuen Händen übergeben, damit diese ruhmgekrönten Feldzeichen nicht fehlten, wenn die 69er ihrem treuen Gedenken an die guten, toten Kameraden das erste Mal auch nach außen hin ehrfurchtsvoll Ausdruck verliehen. Und als die Kompagnie präsentierte und die Musik den Präsentiermarsch spielte, als all die vor dem Bahnhofsportal versammelten Männer in der großen Menschenmasse das Haupt entblößten und als unsere vier Fahnen im strammen Paradeschritt aus dem Bahnhof heraus und an der Kompagnie entlang getragen wurden, da ist uns 69ern, die wir nach langer Zeit, nach vielen, vielen Jahren die seidenen Fahnen unserer ruhmreichen Vergangenheit einmal wiedersahen, die Fahnen, auf die wir unserem König und Kriegsherrn den Treueid abgelegt hatten, da ist es uns doch eisigkalt über den Rücken gelaufen. Man sah so manchen, dem das im Kampf des Alltags hartgewordene Herz in diesem Augenblick weich wurde! Eine große Stunde, eine heilige Stunde haben wir am Bahnhof in Hameln miterleben dürfen. Sie hat uns gestärkt und hat uns wieder stolz gemacht!  

Die Ortsgruppen waren mit ihren Fahnen inzwischen, als unsere Traditionskompagnie mit unseren Feldzeichen durch Hamelns Straßen rückte, nach der Kaserne marschiert und erwartete dort den Einmarsch unserer Ehrenzeichen. Wie hat den Rheinländern, die seit elf Jahren keine deutschen Soldaten mehr erblickt, keine deutsche Militärmusik mehr gehört, keinen anständigen Griff mehr gesehen hatten, das Herz im Leibe gelacht, als sie den Nachwuchs der alten Armee in so exakter militärischer Erziehung geschult, vor sich sahen. Und sie wurden im Kleinen von dem, was von der Reichswehr im Dienstlichen geleistet wird, noch mehr begeistert als sie nach einem einfachen Mittagessen im Offizierskasino sich auf dem Kasernenhof zusammenfanden, um der sportlichen und militärischen Ausbildung und ihrer Leistung beizuwohnen.  

Während des Mahles hatte im Kasino eine Begrüßungsfeier stattgefunden, bei der der Bundesvorsitzende Oberst a. D. Kutzbach folgende Worte gesprochen hatte: Liebe Kameraden vom Regiment! Zunächst heiße ich sie alle herzlichst willkommen, von denen sehr viele wohl zum ersten Male in der schönen Weserstadt weilen, in der Stadt reich an Geschichte, an Sagen und an schönen Bauten, die uns bisher um deswillen von Interesse war, weil unsere Tochterformation die neunte Kompagnie des Regiments 18 seit ihrer Gründung hier weilte. Von morgen ab wird aber die Stadt einen besonderen Wert für uns haben, weil dann das erste Gedächtnismal für unsere gefallenen Kameraden hier steht. Dass Sie alle zu dieser Feier herbeigekommen sind, dass danke ich Ihnen vom ganzen Herzen.  

Wie schon kurz bemerkt, wickelten sich die sportlichen und militärturnerischen Übungen auf dem Kasernenhofe unter Beisein einer großen Schar 69er bei Herrlichstem Sonnenwetter ab. Der Beifall, der von den alten Soldaten den zum Teil recht guten Leistungen gewidmet wurde, kam aus ehrlichem, begeisterten Herzen, - ehrlich in der Erinnerung an die Leistungen, die man als 69er auf dem Palastplatz in Trier selbst vollbracht hatte und begeistert in der Anerkennung für das, was unsere Reichswehr in traditioneller Überlieferung an das Gute, Alte und Bewährte hochhält, und was sie an Neuem, das dem Zuge der Zeit folgend immer weiter vorwärts drängt, hinzugelernt hat. Besonders rege war die Anteilnahme der Zuschauer an dem sechzig Meter-Lauf, der im Sturmgepäck ausgeführt wurde, ebenfalls an einem Weitsprung, der in der gleichen Ausrüstung ausgeführt werden musste, an dem Wettlauf der leichten M.G.-Bedienung über die Eskaladierbahn und durch das Drahthindernis – und für die Älteren war besonders Interessant und anziehend das Bajonettieren. Auch der gymnastischen Übungen mit dem Medizinball und mit den Gewichten sei gedacht, da sie den ehemaligen Soldaten recht gut vermittelten, wie man im jungen Heere die Muskeln leicht und beweglich zu machen versucht. Während der sportlichen Vorführungen waren unter Beifall aller Zuschauer im strammen Marschtempo die Teilnehmer am Gepäckmarsch eingetroffen.  

Ein Spaziergang durch und um die schöne Stadt Hameln mit ihren mannigfachen Schönheiten schloss sich für die Festteilnehmer an. Am Spätnachmittag konzentrierte die Kapelle des Bataillons, die aus Bückeburg herübergekommen war, auf der Promenade, wo sich viele Hamelner, ob jung, ob alt, einfanden, um das Wochenende mit diesem jetzt auch in Hameln ziemlich ungewöhnlichen militärischen Spiel zu beginnen und um teilzunehmen an den Festlichkeiten ihrer Garnisonskompagnie und des alten rheinischen Regiments, dessen Tradition nun schon seit Jahren in der Garnisonstadt Hameln liegt.  

Abends versammelte man sich im Monopolsaal zu einem Kompagnieball, der wieder eine Menge Freunde der Kompagnie aus Hameln und Umgegend angelockt hatte, und der bewies, wie innig und eng der Zusammenschluss zwischen der Bevölkerung und unseren jungen Soldaten wieder ist. Für die Kompagnie war es eine ganz besondere Ehre und für die 69er eine große Freude, dass auch der Bataillonskommandeur Major Tienitz anwesend war, der es sich nicht hatte nehmen lassen, zur Feier der Tage aus Bückeburg nach Hameln zu kommen.  

Der Saal, den die Kompagnie recht sinnig und stilvoll geschmückt hatte – über der Bühne hing als Transparent unsere geliebte, alte, blaue Achselklappe mit der roten 69 – war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Kapelle den Abend mit einem flotten Marsch eröffnete. Die Traditionskompagnie hatte sich auch zu dieser Veranstaltung wieder alle Mühe gegeben und hatte keine Vorbereitungen gescheut um den Abend für uns alle recht abwechslungsreich zu gestalten. Nach einem Vorspruch wechselten gesangliche Darbietungen mit turnerischen Vorführungen ab, die beide zeigten, dass man bestrebt ist, sowohl auf kulturellem Gebiet, wie auf dem körperlichen durch das heute, man kann wohl sagen leider, immer mehr zurückgedrängte Turnen, Erfreuliches und Nachahmenswertes zu vollbringen. Ein netter kleiner unterhaltsamer Einakter, der, - wie man so bemerkte, - einige harmlose kleine Spitzen gegen die Spitzen innerhalb der Kompagnie brachte, schloss den offiziellen Teil, an den sich ein recht fröhlicher Tanz anschloss, der bei einer guten Flasche Mosel auch noch die zusammenhält, die nicht mehr auf das Tanzen eingestellt waren – und sich daher zu den „Drückebergern“ schlugen!  

Während des offiziellen Teiles hatte der Chef der Traditionskompagnie, Hauptmann Thomas, alle Gäste, besonders die ehemaligen 69er, willkommen geheißen, hatte seiner Freude Ausdruck gegeben, dass rheinische Kameraden einmal nach Hameln zur Traditionskompagnie gekommen seien und hatte dann den Zweck und den Sinn der Reichswehr im neuen Staate geschildert, hatte erklärt, dass das Heer nicht ein Staat im Staate sein wollte, sondern dass es dienen wolle der Gesamtheit des Volkes zum Wohle der Nation.  

Der Vorsitzende des Regimentsbundes ehemaliger 69er, Oberst a. D. Kutzbach, hatte sodann das Wort ergriffen und etwa Folgendes ausgeführt: „Liebe Kameraden! Im Namen aller heute hier erschienenen Angehörigen des Regiments 69 danke ich dem verehrten Chef der 9. Kompagnie des Infanterieregiments 18 für die freundlichen Worte, die er soeben an uns gerichtet hat. Wir sind gerne dem Rufe gefolgt, der uns an die Weser holte, um hier morgen ein Mal zu enthüllen, das von der Liebe und der Dankbarkeit aller derer zeugen soll, die zum Regiment gehören und ihm zugetan sind. Der heutige Tag war ein fröhliches Vorspiel zu der morgigen Feier. Am Nachmitttag das Sportfest, heute Abend die Darbietungen der Musik und der Kompagnie. Mit Bewunderung haben wir die sportlichen Leistungen gesehen und uns gefreut an dem Erreichten. Wenn wir Älteren auch keinen Sport ausüben, so schätzen wir ihn aus langer Erfahrung als ein vollkommenes Mittel zur Selbsterziehung und Charakterbildung, Körper und Geist in den Dienst einer Sache zu stellen, den Willen, Ernährung, Liebhaberei in eine Richtung zu zwingen um ein vorgestrecktes Ziel zu erreichen. Alles um der Sache willen tun, selbst sich in den Hintergrund schieben, das ist so recht eines Soldatenherzen würdig und entspricht der alten Mahnung eines Vaters an seinen in das Leben tretenden Sohn: „Vor allem aber sei der selber treu!“  

Diesen Wunsch Ihr treuen Kameraden, möchten wir Alten Euch mit auf Euren Weg geben und jedem Einzelnen von Euch wünschen, dass er bei der großen Schlussabrechnung für treu befunden wird. Dann hat er sein Leben gelebt, wert seiner selbst und wert der Männer, zu deren Andenken wir morgen das Mal enthüllen. Nun ihr alten 69er, ich bitte Euch Eure Gläser zu erheben mit guten Wünschen für die jungen Kameraden mit unserem Dank für das kameradschaftlich Gebotene, mit dem Rufe die neunte Kompagnie Infanterieregiment 18 und ihr Chef, Herr Hauptmann Thomas, hurra!“  

Am Sonntagmorgen versammelten sich die Anwesenden Mitglieder des Vorstandes des Reichsbundes ehemaliger 69er mit allen anderen anwesenden Vorsitzenden der verschiedenen Ortsgruppen zur Hauptversammlung.  

   Bei herrlichem Sonnenschein kamen dann am Spätvormittag auf dem Kasernenhof alle diejenigen zusammen, die teilnehmen wollten an der kurzen schlichten Gedenkfeier, die den gefallenen Kameraden des Weltkrieges vom siebenten rheinischen Infanterieregiment, denen zu jener Stunde der Gedenkstein gewidmet von den überlebenden Kameraden des Regiments geweiht werden sollte. Aber auch viele alte Soldaten aus Hameln hatten sich eingefunden, um dem Weiheakt beizuwohnen. Bei Anwesenheit der Vertreter des Bataillons aus Bückeburg, und der Vertreter der Behörden, die in Hameln amtieren, begann die Weihestunde mit dem Einmarsch der Traditionskompagnie, die die vier Fahnen des Regiments herantrugen um sie teilnehmen zu lassen an der Totenfeier für diejenigen, die unter ihrem seidenen Rauschen für König und Vaterland einst fielen. Der Kompagniechef Hauptmann Thomas führte die Kompagnie. In andächtigem Schweigen nahmen die Fahnen an beiden Seiten des verhüllten Steines Aufstellung. Nachdem die Klänge des Niederländischen Dankgebets die Feier eingeleitet hatten, trat Pfarrer Kittel vor um den toten Kameraden Worte des Dankes nach dem Bibelwort nachzurufen: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“ Er erinnerte an das selbstlose Opfer, an die bis zum Tode treue Pflichterfüllung derjenigen, die wir heute noch einmal beerdigen und einbetten in die heilige Erde unter dem neu errichteten Stein.  

Leise erklingt dann das „Lied vom guten Kameraden“ dabei sinkt die Hülle von dem Stein, der sich in seiner Einfachheit und Schlichtheit nun den Teilnehmern zeigt, würdig, der schweren Zeit, in der unsere Helden starben. Still und ruhig verharrt die Menge als der alte Führer des Regiments Oberst Kutzbach allen denen seinen Dank sagt, die an das Zustandekommen des Weihetages, zur Errichtung des Steines beigetragen haben. Er dankt insbesondere dem Pfarrer, dem Kompagniechef und seiner Kompagnie, den Zivil- und Militärbehörden und dem Schöpfer des Steines.  

Dann begann die Kranzniederlegung zu der auch der Vorsitzende des Reichsbundes ehemaliger 29er, Generalleutnant Wellmann vortrat, der in Uniform erschienen war und einen riesigen Kranz mit schwarz-weiß-roter Schleife niederlegte, besonders geweiht durch schlichte, ernste, markige Worte, in denen er erinnerte, an die treue Kameradschaft der beiden Schwesterregimenter in Friedenszeiten, erinnerte an die heilige Waffenbruderschaft in der Kriegszeit, da er als Brigadekommandeur an der Spitze beider Regimenter bei Ausbruch des Krieges nach Frankreich ausgerückt sei. In Erinnerung an die verrichteten Ruhmestaten des Regiments widmete er den Kranz im Namen der 29er allen denn 69ern, die ihr Leben ließen für Kaiser und Reich, für Volk und Vaterland.  

Kränze der Traditionskompagnie, der Unteroffiziere der Kompagnie, der zehnten Kompagnie und der verschiedenen Ortsgruppen ehemaliger 69er wurden dann am Füße des Steins niedergelegt. Darauf erschallten wieder militärische Kommandos das Leben und die Lebenden forderten ihr Recht – die Traditionskompagnie brachte die Fahnen wieder ab. Die erhebende Morgenfeier hatte ihren Abschluss gefunden. Mittags versammelten sich die 69er wieder im Offizierskasino des Infanterieregiments 18, wo der Bundesvorsitzende währen des Essens alle die Grüße verlas, die von nah und fern von ehemaligen 69ern waren. Anschließend daran fand eine Bundesversammlung der ehemaligen Offiziere und Sanitätsoffiziere statt.  

Nachmittags hatte die Traditionskompagnie zusammen mit der zehnten Kompagnie des 18. Regiments in dem Gartenlokal „Weserlust“ eine Zusammenkunft vorbereitet, auf der wieder die Kapelle des Bataillons konzertierte und Angehörige der beiden Kompagnien auf der Weser einige Wasservorführungen darboten.  Mit den Abendzügen verließen dann eine große Anzahl von Kameraden die freundliche Weserstadt, um sich teils nach Hause zu begeben, oder teils die liebliche Kur- und Bäderstadt Pyrmont, die nahe bei Hameln liegt, zu besuchen. Der Abend vereinte nochmals die zurückgebliebenen 69er und die Angehörigen der Traditionskompagnie im Offizierskasino, wo ganz besonders die Kölner Gruppe, an der Spitze ihr nicht „klein zu kriegender“ Vorsitzender Schlösser, zur Erheiterung und zur Freude in den nicht zu kurz bemessenen Nachtsunden beitrug.  

Dann war auch mit Abschluss dieser Feier das inoffizielle Ende der Traditionsfeier erreicht und heute bleibt für Alle, die dort waren, nur die schöne Erinnerung, mitgewirkt zu haben an dem treffenden Gelingen einer Veranstaltung, die unserem alten Regiment 69 und in Sonderheit seinen Toten geweiht war.“   

Eine weitere Darstellung findet man in dem Bericht der „Deister- und Weserzeitung. Hier nur die Einleitung und der Teil, der sich mit den sportlichen Leistungen der Hamelner Kompanie befasst:  

„Tage der Neunundsechziger

Traditionsfeier der 9. Kompagnie – Weihe eines Gedenksteines – Sportliche Wettkämpfe

   In das schläfrige Brüten eines glühend heißen Augustvormittags tönt etwas Ungewohntes. Die Feder stockt, das Ohr horcht auf. Jetzt hat es das Störende gefunden. Die Feder fliegt fort, das Auge geht zum Fenster. Tsching, tsching, bum, bum …. Militärmusik! Gleich ist der heiße Augusttag munter geworden. Draußen dröhnt der Takt der benagelten Stiefel. Die Pauke gibt den Rhythmus, Instrumente blitzen auf. Eine schöne, alte Marschmusik hämmert durch die Straßen und macht die Scheiben klirren. Draußen ziehen sie alle mit, und der Alltag ist auf einmal Festtag geworden.  

Die Bataillonskapelle ist wieder einmal in Hameln! Diesmal hat es einen besonderen Grund, gilt es doch einen Gedenktag zu verschönern. Die neunte Kompagnie, die die Überlieferung der 69er wachhält, begeht die Traditionsfeier des alten rheinischen Regiments. (…)  

Von den sportlichen Darbietungen während der beiden Festtage seien besonders die Leistungen am Sonntag erwähnt. Hier vermochte Gefr. Winkler im Schießen mit 105 Ring den Sieg davonzutragen und damit auch die vom Reichsverband ehem. 69er gestiftete silberne Uhr zu erringen. Zweiter wurde Gefr. Junga mit 99 Rg., Dritter Gefr. Bertram mit 99 Ring. Der Gepäckmarsch führte über eine etwa 13 Kilometer lange Strecke im östlichen Teil unseres Stadtgebietes. Unterfeldwebel Landwehr bewältigte diese Strecke als Bester in der beachtlichen Zeit von 83 Minuten trotz der Sonnenhitze vor Grenadier Althoff in 85 und Unterfeldwebel Bendel in 86 Minuten. Der M. G.-Gruppen-Hindernislauf, eine Übung, die über verschiedene Hindernisse und zuletzt durch einen Drahtverhau führt und von den teilnehmenden Mannschaften großes Geschick erfordert, sah die Gruppe des Unteroffiziers Brechelt (5 Mann) in 1:07,2 Min. als Sieger vor den Gruppen des Unteroffiziers Stuke in 1:10,3 und Unterfeldwebel Hoepfner in 1:11,5 Minuten. Den wertvollen silbernen Becher im Schützendreikampf sicherte sich Obergrenadier Dominik mit 93 Punkten vor Unterfeldwebel Hirte mit 89 und Gefreiter Teigelkamp mit 87 Punkten. Im Fechten, einer immer gern gesehenen militärischen Übung, wurde Gefr. Schmidt 2 Sieger vor Gefr. Dosedal und Gefr. Liecker.  

Am Sonntag gab es nachmittags auf der Weser noch verschiedene sportliche Kämpfe. So wurde ein Gig-Rennen über 800 Meter gegen Strom ausgefahren. In 3:05 Minuten behielt die Mannschaft Paul (Steuer), Heutger, Frensch, Bösche, Kurint der 10. Kompagnie I. R. 18 den Sieg vor zwei weiteren Booten der gleichen Kompagnie. Das Paddelbootrennen über 500 Meter ergab den Sieg der Mannschaft Kohlenberg-Krüger (10. Komp.) in 2.08 Min. vor Frensch-Maue, die infolge Versteuerung aufgaben. Im Fischerstechen blieb Wasmuth (10. Komp.) der Sieg vorbehalten. Eine gute Leistung bot die Mannschaft der 10. Und 9. Kompagnie am Barren; mit 43 Punkten sicherten sich hier Jung (10. Komp.) den Sieg vor Strübig (9. Komp.) mit 41 Punkten Endlich zeigte die Truppe auch im militärischen Übersetzen mit Schlauchbooten noch ihr Können. Sieger wurde hier die Mannschaft Pieper-Neuhaus von der 10. Komp. vor der Mannschaft Brever-Röser (10. Komp.), die schon etwa hundert Meter Vorsprung hatte, sich aber noch schlagen ließ.“  

Wie auf dem Bild oben zu sehen, stand der Stein an einem der heute noch existierenden preußischen Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Scharnhorstkaserne. Der Gedenkstein wurde wahrscheinlich nach dem zweiten Weltkrieg entfernt. Sein Verbleib ist unbekannt.   

Björn Spitzlei

Quellen: Sammlung www.7-rheinisches-infanterie-regiment-nr-69.de, Regimentszeitung des 7. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 69, Nr. 1-1921 bis Nr.59-1938, Bad Godesberg.